Methode
Direct Behavior Rating: Verhalten kurz und systematisch beurteilen
DBR verbindet unmittelbare Beobachtung mit einer kurzen Skalenbewertung – ökonomisch genug für wiederholte Messungen im Schulalltag.
Bei Direct Behavior Rating beurteilt eine Person ein vorher definiertes Verhalten unmittelbar nach einer Beobachtungsphase auf einer Skala.
Was ist Direct Behavior Rating?
Direct Behavior Rating, kurz DBR, ist eine Methode zur direkten Verhaltensbeurteilung. „Direkt“ bedeutet: Die bewertende Person hat das Verhalten selbst in der relevanten Situation beobachtet. „Rating“ bedeutet: Die Beobachtung wird anschließend verdichtet auf einer Skala eingeschätzt.
DBR liegt damit zwischen freier Beobachtungsnotiz und aufwendiger systematischer Ereigniszählung. Die Methode soll wiederholte Erhebungen ermöglichen, ohne den Unterricht unverhältnismäßig zu belasten.
Ein einfaches Beispiel
ZIELVERHALTEN
Beginnt innerhalb von zwei Minuten mit der Aufgabe.
Beobachtungsphase: Beginn jeder Stillarbeitsphase
Die einzelne „3“ ist noch keine Diagnose und kein aussagekräftiger Verlauf. Erst eine Reihe vergleichbarer Bewertungen kann zeigen, ob sich ein Muster entwickelt.
Vier Voraussetzungen für brauchbare DBR-Daten
- Beobachtbares Ziel: Die Definition beschreibt sichtbares oder hörbares Verhalten, nicht eine Interpretation wie „ist motiviert“.
- Passende Situation: Das Verhalten wird nur dann bewertet, wenn es sinnvoll auftreten konnte.
- Verständliche Skala: Skalenendpunkte und Richtung sind eindeutig.
- Wiederholung: Die Messung findet oft genug und unter hinreichend vergleichbaren Bedingungen statt.
Warum eignet sich DBR für Verläufe?
Eine Bewertung ist schnell abgegeben und kann deshalb regelmäßig wiederholt werden. Diese Ökonomie ist entscheidend: Verlaufsdiagnostik benötigt mehrere Messpunkte, nicht nur ein ausführliches Urteil zu einem einzelnen Zeitpunkt.
DBR ist nach der Forschung besonders für Verlaufsfragen interessant. Für solide statusdiagnostische Aussagen ist das Verfahren allein hingegen nicht gedacht.
Merksatz: DBR beschreibt wiederholt beobachtetes Verhalten. Es erklärt nicht automatisch seine Ursache.
Häufige Fehler
- mehrere unterschiedliche Verhaltensweisen in einem Ziel vermischen
- Eigenschaften wie „respektvoll“ oder „konzentriert“ ohne Beobachtungskriterien bewerten
- unterschiedliche Unterrichtssituationen behandeln, als wären sie identisch
- aus wenigen Messpunkten einen sicheren Trend ableiten
- die bewertende Person bei der Auswertung nicht berücksichtigen