Förderwirkung dokumentieren und datenbasiert entscheiden
Ein Verlauf nützt erst, wenn das Team vorher festlegt, was als Erfolg gilt, und nachher eine Entscheidung trifft. Diese Seite zeigt, was in die Dokumentation gehört und welche Entscheidungen der Verlauf stützen kann.
Vor dem Start: Frage und Erfolgskriterium
Formuliere die Förderfrage so, dass der Verlauf sie beantworten kann, und lege fest, ab wann ihr zufrieden seid:
Förderfrage: Stört Leon in der Stillarbeit weniger, seit er am Stundenende eine Rückmeldung zu seinem Tagesziel bekommt?
Erfolgskriterium: Nach vier Wochen liegen die Werte überwiegend bei 3 oder darunter (Baseline: meist 6 bis 8).
Auswertung: am Freitag in vier Wochen im Klassenteam.
Wer das Kriterium vorher festlegt, liest die Kurve später weniger nach Wunsch.
Während der Förderung: Umsetzung mitprotokollieren
Ob eine Maßnahme wirkt, lässt sich nur beurteilen, wenn sie wie geplant umgesetzt wurde. Die Umsetzungstreue sollte deshalb parallel zum Verhalten erfasst werden; Hagermoser Sanetti et al. (2009) schlagen dafür eine Kurzbewertung nach dem DBR-Prinzip vor. Oft reicht ein Kreuz pro Tag: Fand die Rückmeldung statt, ja oder nein?
Zeigt der Verlauf keine Veränderung, lautet die erste Frage deshalb: Wurde die Maßnahme überhaupt umgesetzt?
Nach dem Zeitraum: vier mögliche Entscheidungen
| Was der Verlauf zeigt | Entscheidung |
|---|---|
| Kriterium erreicht und stabil | Beibehalten, später schrittweise reduzieren und dabei weiter messen |
| Verbesserung, Kriterium noch nicht erreicht | Fortsetzen oder verstärken, neuen Auswertungstermin festlegen |
| Keine Veränderung trotz guter Umsetzung | Maßnahme anpassen oder wechseln, Annahmen über den Anlass des Verhaltens prüfen |
| Daten nicht aussagekräftig (Lücken, wechselnde Personen, schwankende Umsetzung) | Erst Messung oder Umsetzung verbessern, dann neu beurteilen |
Diese Logik entspricht der datenbasierten Entscheidungsfindung in gestuften Fördermodellen (Riley-Tillman et al., 2020).
Ist die Veränderung bedeutsam?
Eine Kurve kann sich messbar bewegen, ohne dass sich im Alltag viel ändert. Fragt deshalb auch die Beteiligten: Erleben Lehrkräfte, Kind und Eltern die Veränderung als wichtig? Ist die Maßnahme im Alltag tragbar? Diese soziale Validität gehört zur Bewertung einer Förderung dazu (Wolf, 1978).
Was in die Dokumentation gehört
Eine Seite reicht:
- Förderfrage und Erfolgskriterium
- Zielverhalten mit Beispielen, Skala, Situation, bewertende Person
- Baseline: Zeitraum und typische Werte
- Maßnahme: was genau, wer, ab welchem Tag
- Umsetzungstreue: an wie vielen Tagen wie geplant
- Verlauf mit markierten Besonderheiten
- Entscheidung, Begründung, nächster Termin
Ein Beispiel aus der Forschung
In einer Studie an einer deutschen Grundschule bewerteten Lehrkräfte das störende Verhalten von zehn Zweitklässler:innen täglich per DBR, während ein Tagesbeurteilungsbogen mit täglicher Rückmeldung eingesetzt wurde. Die Kinder starteten zeitversetzt. Ausgewertet mit Regressionsanalysen und NAP nahm das störende Verhalten deutlich ab, und die Kinder kamen ihren individuellen Verhaltenszielen näher (Nitz et al., 2024).
Weiterlesen
Literatur
- Hagermoser Sanetti, L. M., Chafouleas, S. M., Christ, T. J., & Gritter, K. L. (2009). Extending use of Direct Behavior Rating beyond student assessment: Applications to treatment integrity assessment within a multi-tiered model of school-based intervention delivery. Assessment for Effective Intervention, 34(4), 251–258.
- Nitz, J., Volpe, R., Hagen, T., Krull, J., Hennemann, T., & Hanisch, C. (2024). The effects of the Daily Behavior Report Cards (DBRC) on the disruptive behavior and specific goal behavior of elementary school children: A multiple baseline design study. Discover Education, 3, 147. https://doi.org/10.1007/s44217-024-00231-6
- Riley-Tillman, T. C., Burns, M. K., & Kilgus, S. P. (2020). Evaluating educational interventions: Single-case design for measuring response to intervention (2nd ed.). Guilford Press.
- Wolf, M. M. (1978). Social validity: The case for subjective measurement or how applied behavior analysis is finding its heart. Journal of Applied Behavior Analysis, 11(2), 203–214. https://doi.org/10.1901/jaba.1978.11-203